Endoprothetik und Sport
Ein Alpinist berichtete letzten Winter 60 schöne Schitouren gegangen zu sein.
Ein Bergführer erwähnte stolz die Bewältigung einiger Klettertouren, die er wegen der „steifen Hüfte“ schon lange nicht mehr geschafft hat.
Die früher den Patienten auferlegten Einschränkungen sind unter diesem Aspekt neu zu überdenken.
Gewisse Vorsichtsmaßnahmen sind aber nötig.
Unterschieden werden muss zwischen der (Ein)heilungsphase und der Zeit danach.
Die Hautwunde heilt am schnellsten und erlaubt meist ab dem siebten Tag postoperativ den Besuch einer Unterwassertherapie .
Die knöcherne Prothesenverankerung gestattet bei Erstoperation und guter Knochensubstanz in der Regel eine sofortige Vollbelastung beim Gehen.
Gestaltet sich die Verankerung im Knochen schwierig wird vom Chirurgen auf die Notwendigkeit der Entlastung hingewiesen.
Die betroffenen Weichteile wie Muskel, Sehnen und Bänder benötigen am längsten zur Heilung und zur normalen Funktion.
Insbesonders bei Hüftendoprothesen besteht daher bei Extrembewegungen in den ersten Monaten nach der Operation ein erhöhtes Luxationsrisiko.
Extreme Beugung oder Außendrehung des operierten Beins könnten den Hüftkopf aus der Pfanne hebeln, wenn sich das umliegende Gewebe noch nicht genügend gefestigt hat.
Daher ist tiefes Sitzen und ein Übereinanderschlagen der Beine zu meiden.
Das Luxationsrisiko sinkt mit zunehmende Weichteilheilung.
Bei Knieprothesenpatienten bestehen diese Gefahren nicht. Der Heilungsverlauf dauert aber länger.
Eine zufriedenstellende Funktion ist nach sechs Wochen eine optimale Funktion oft erst nach ein bis eineinhalb Jahren zu erwarten.
Radfahren stellt eine gute Trainingsmöglichkeit dar. Bereits frühzeitig darf daher am Heimtrainer geübt werden. Nach Erreichen einerausreichenden Sicherheit ist freies Radfahren möglich.
Manche Sportarten sind mit einem erhöhten Verletzungsrisiko verbunden, auch beim Gelenksgesunden.
Spätfolgen von Unfällen bei alpinem Schilauf, Sportkettern, Paragleiten oder auch Fußball führen nicht selten zu künstlichem Gelenksersatz.
Weniger gefährliche Sportarten wie Wandern, Radfahren, Langlaufen und Schwimmen aber auch Tennis sind in der Regel wieder problemlos möglich.
Hierbei stellt die allgemeine Leistungsfähigkeit des Patienten den limitierenden Faktor dar. Technisches Können bestimmt mit das Verletzungsrisiko.
Moderne Operationstechnik und moderne Implantate ermöglichen eine Wiederherstellung einer schmerzfreien Gelenksfunktion .
Wie die Beispiele zeigen, bedeutet dies für den Patienten die Chance auf ein Leben ohne Einschränkung der Mobilität.
Risikosportarten sind mit und ohne künstlichem Gelenksersatz verletzungsgefährlich.
Ratschläge für den Prothesenpatienten :
- Belastbarkeit :
Wie belastbar Ihr künstliches Gelenk ist erfahren Sie von Ihrem behandelnden Arzt.
- Luxationsrisiko bei Hüften: Gewisse Extrembewegungen im Hüftgelenk sind mit einem erhöhten Luxatiosrisiko verbunden.
Kombinationbewegung : Beugen + Innendrehen (Knie nach innen und zum Körper + Ferse nach außen)
Zum Beispiel: tiefes Sitzen oder Strecken + Außendrehen (gestrecktes Bein + Zehen nach außen)
Zum Beispiel: im Stehen Drehen des Rumpfes weg vom operierten Bein.
- Infektrisiko!
Eine Infektion der Prothese ist auch über den Blutweg möglich.
Gefährdung insbesonders durch Infekte der Zähne, der Nasennebenhöhlen, der Gallenblase, der Haut, der Harnwege. Eine rechtzeitige antibiotische Abschirmung durch den Arzt kann solche Infekte verhindern.
- Kontrolluntersuchungen sollten regelmäßig durchgeführt werden, sofort aber bei Auftreten von Beschwerden.